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Die Geschichte der Streuobstwiesen

Bis die Römer nach Mitteleuropa kamen gab es hier Wildformen von Kirsche und Pflaume, die eher ungezielt genutzt wurden. Die Siedlungen wurden bis zu diesem Zeitpunkt oft aufgegeben und an anderer Stelle neu gegründet. Damit verschob sich auch der Acker. Wein und Obst werfen aber erst nach einiger Zeit Profit ab, so daß die Landwirte mehrere Jahre am gleichen Ort wirtschaften mußten. Durch die Römer kamen Kulturformen des Obstes nach Deutschland, es entstanden die wirklich ortsfeste Landwirtschaft in Deutschland und damit der Obstbau. Im Mittelalter breitete er sich von den Gärten auf die durch Rodung entstandenen Felder und Wiesen aus, entlang von Wegen, an Äckern und in Weinbergen. Besonders gefördert wurde die Obstkultur aber vor allem in den Gärten der Klöster und Herrschaftsgüter („Bangert“).

Erst im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Streuobstbau voll entwickelt. Unzählige Bücher und Fachartikel erschienen, Unmengen an verschiedenen Apfelsorten wurden gezüchtet. Große flächenhafte Streuobstbestände entstanden. Dabei gaben wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag. Meist führte die Umstellung von kleineren Gärten zum wirtschaftlich rentablen Anbau nicht direkt zu den heute vertrauten Baumwiesen, sondern zunächst zu Baumäckern mit Anbau von Getreide und Hackfrüchten unter den Bäumen.

Erst später wurde die oft durch Hanglage und Bäume doppelt erschwerte ackerbauliche Nutzung durch die einfacher zu handhabende Grünlandnutzung ersetzt. Unter den Hochstämmen weidete das inzwischen in seiner Wirtschaftlichkeit erheblich gestiegene Milchvieh. Aus dieser Zeit stammen die früher charakteristischen Obstbaumgürtel an den Ortsrändern, die leider fast überall verloren gegangen sind. Auch im Odenwald der typische Ortsrand weitgehend verschwunden.
Mit dem Aufkommen moderner Produktionsverfahren, der Verteuerung menschlicher Arbeitskraft und unter dem Kostendruck ausländischer Produzenten erwiesen sich die traditionellen Strukturen als unwirtschaftlich. Die Hochstämme tragen erst nach ca. 8 Jahren, sind schlecht abzuernten und können nicht dicht genug gepflanzt werden (idealer Pflanzabstand sind 10 x 10 Meter), um den nötigen Intensivierungsgrad zu erreichen. Viehhaltung und Pflanzenbau wurden mehr und mehr getrennt und zu eigenständigen Spezialgebieten entwickelt. Die ab Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts vorgenommen Rodungen trafen alle Standorte, die sich für eine moderne Niederstamm-Dichtpflanzung oder andere Intensivnutzung eigneten. Streuobstwiesen blieben nur auf Standorten erhalten, die solche Alternativen nicht boten, meist in Landschaften mit ausgedehnten Hanglagen wie sie im Odenwald zu finden sind. Die Erhaltung ist also aus Sicht der Landeskultur sehr wichtig.

Streuobstbau ist aber nicht nur eine traditionelle, sondern auch eine landschaftlich sehr reizvolle Kulturform. Die vom Streuobstbau geprägten Gebiete zählen zu den vielfältigsten mitteleuropäischen Kulturlandschaften. Mit der Vielfalt des Landschaftsbildes ist die Erholungseignung und –wirkung auf den Menschen eng verbunden. Offene Täler, aufgelockerte Hänge mit Obstwiesen und bewaldete Kuppen – diese Mischung macht den Odenwald so attraktiv. In vielen Fällen werden Streuobstwiesen entweder als Landschaftsschutzgebiet nach dem Bundesnaturschutzgesetz geführt. Die Mehrzahl der ortsrandnahen Bestände ist jedoch durch Baumaßnahmen und andere Eingriffe gefährdet.

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