Streuobstwiesenpflege

Unsere Umwelt verliert immer mehr an Artenvielfalt; moderne landwirtschaftliche Geräte setzen andere Flächengrößen voraus. So verändern sich durch notwendige gesteigerte Effektivität und veränderte Tierhaltung oft auch die Bewirtschaftungsformen; die Flächen werden größer, einseitiger und vielfach im Jahr genutzt und es bleiben immer weniger Rückzugsmöglichkeiten für Tiere und Insekten.

Auf den Streuobstwiesen sind die kleinteiligen Strukturen oft noch gegeben und sie werden von den verschiedensten Tierarten bevölkert, aber auch hier hat sich die Pflege der Wiesen verändert. Viele Streuobstwiesen werden nicht mehr beweidet und den landwirtschaftlichen Betrieben fehlen die passenden Geräte zur Bearbeitung kleiner Flächen mit Baumbestand.

Pflege ist jedoch generell wichtig, um ein Verbuschen von Wiesen zu vermeiden, die Bäume gesund und entsprechend zugänglich zu halten und das Obst ernten zu können. Wer sich selbst um seine Obstwiesen kümmert hat sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Um die Streuobstwiesen als Lebensräume mit großer Artenvielfalt für Flora und Fauna zu erhalten, gibt es im Hinblick auf die Häufigkeit der Mahd, den richtigen Zeitpunkt sowie das Gerät und den Umgang mit dem Grasschnitt vieles zu beachten.

Der Lebensraum der Tiere ist in unterschiedlichen Zonen der wachsenden Wiese zu verorten. Entsprechend den Entwicklungsstadien vieler Insekten und Tiere oder ihrer generellen Bedürfnisse an den Lebensraum und die Ernährung leben diese im Boden, bodennah, in der Krautzone oder sie besuchen die Blüten zum Nektar- und Pollensammeln.

Der Einsatz unterschiedlicher Mähgeräte wirkt sich mehr oder weniger gefährlich auf die Tiere und ihre Entwicklungsstadien aus. Auch die nachfolgende Bearbeitung des Mähgutes hat Auswirkungen.

Unterschieden wird bei den Mähgeräten in zwei Hauptgruppen:

1.     Schneidetechniken

Sense, Fingerbalkenmähwerk, Doppelmessermähwerk (= schneidende Werkzeuge ohne nachfolgende Zerkleinerung des Schnittgutes)

2.     Rotationstechniken

-        Trommel-, Kreisel- und Scheibenmähwerk, die das Mähgut nicht zerkleinern
-        Schlegel- und Sichelmulcher mit Zerkleinerung des Mähgutes

Rotationsmähgeräte haben für die Lebewesen auf der Wiese den Nachteil, dass beim Mähen durch hohe Drehzahlen der Messer eine große Sogwirkung erfolgt und somit die Tiere in die Maschine eingesogen werden.

Mit nachfolgendem Aufbereiter, der das Mähgut nach Schnitt nochmal knickt oder quetscht, haben auch blütenbesuchende Insekten wie Bienen oder Hummeln großen Schaden zu erwarten; werden sie erfasst, überleben sie es nicht oder sind nachfolgend flugunfähig. Bei Einsatz eines Kreiselmähers ohne Aufbereiter werden deutlich weniger Tiere geschädigt. Generell stellt der Einsatz eines Aufbereiters eine große Gefährdung für alle Tiere und deren Entwicklungsstadien dar.

Die größten Verluste erleidet die Tierwelt bei Einsatz von Mulchgeräten, bei denen der Sog ebenso groß ist wie bei den bereits genannten Rotationsmähtechniken und die Tiere durch die zusätzliche Mähgutzerkleinerung wenig Überlebenschancen haben. Vorteil von Mulchgeräten ist, dass nachfolgend kein Schnittgut abgefahren werden muss, da die Zersetzung relativ schnell erfolgt und das Schnittgut wieder durchwachsen werden kann. Bei Einsatz von Mulchgeräten sollte bestenfalls in mehreren Abschnitten gemäht werden. (Anmerkung: Verbleibt das Schnittgut nach dem Mulchen auf der Fläche, führt dies zu einem Nährstoffeintrag. Hierdurch wird die Wiese gedüngt, was nach und nach zu einem Rückgang der Artenvielfalt bei den Wiesenpflanzen führen kann. Möchte man die Artenvielfalt der Wiesenpflanzen fördern, ist in der Regel ein Abtransport des Schnittgutes von der Fläche zu empfehlen. Ob die Bäume auf einer Streuobstwiese ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, kann über die Analyse des Bodens mittels Bodenprobe geklärt werden. Gegebenenfalls können diese bei Bedarf gedüngt werden.)

Die schonendste Technik für die Fauna der Wiesen sind dementsprechend Mähgeräte mit Schneidetechniken; bei einer Schnitthöhe über 10cm werden zudem die Tiere der unteren Schichten geschont.

Unter folgendem Link sind Informationen zu „Mähtechnik und Artenvielfalt“ der Landwirtschaftlichen Beratungszentrale Schweiz zu finden:

https://www.bienen.ch/fileadmin/user_upload_relaunch/Dokumente/Maehtechnik-Artenvielfalt-Artikel.pdf

Die Bayrische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege hat in Ihrer Zeitschrift „Anliegen Natur“ einen sehr lesenswerten Artikel zur „Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – eine Literaturauswertung für den Naturschutz“ veröffentlicht:

https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/doc/an36208van_de_poel_et_al_2014_mahd.pdf

Und auf der Schweizer Internetseite von Birdlife gibt es ein Merkblatt zum Thema “Ungemähte Streifen in Wiesen verbessern die Lebensbedingungen für Kleintiere“ viele Informationen über den Lebensraum Wiese für Insekten und Tiere:

https://www.birdlife.ch/de/content/ungemaehte-streifen-wiesen-verbessern-die-lebensbedingungen-fuer-kleintiere --> pdf herunterladen

Um eine bestmögliche Entwicklung der Tiere auf der Wiese zu gewährleisten, ist es sinnhaft, diese nicht mehr als 2-3 mal im Jahr zu mähen. Empfohlen wird die erste Mahd ab Mitte Juni, wenn die ersten Entwicklungsstadien vollzogen sind, bzw. Eier gelegt sind; die zweite Mahd im August.

Beim Mähen sollte von innen nach außen oder von einer Seite zur anderen gemäht werden, um den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit während des Mähens zu lassen. Bestenfalls wird die Wiese in mehreren Abschnitten gemäht und vielleicht ein Streifen als Rückzugsmöglichkeit für die Tiere stehen gelassen. Zur Entwicklung über eine Vegetationsperiode hinweg – oder zur Überwinterung.

Denn auch im nächsten Jahr soll es noch summen brummen und lebendig sein auf unseren Streuobstwiesen.